Schimmel in der Raumluft messen: Methoden und Kosten
Schimmel in der Luft messen: Raumluftmessung, Materialprobe, MVOC, Spürhund. Welche Methode wann taugt, was sie kostet und wann der Sachverständige muss.
Kurz & Knapp
Schimmel in der Raumluft messen Sie über eine Luftkeimsammlung oder Partikelsammlung (Richtwert 150 bis 400 Euro), Materialproben (50 bis 150 Euro pro Probe), Oberflächenproben oder eine MVOC-Messung bei verdecktem Befall. Laut Umweltbundesamt gelten nur Raumluft- und Materialanalysen nach DIN ISO 16000 als anerkannte Regel der Technik; Spürhund und MVOC sind ergänzende Verfahren. Eine Messung lohnt bei verdecktem Schimmel, Gesundheitsbeschwerden, Mietstreit oder vor einem Immobilienkauf. Sichtbarer Befall über 0,5 m² braucht keine Luftmessung, sondern die direkte Sanierung durch eine Fachfirma.
Stand: 16. Juni 2026
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Schimmel: Erkennen, Beseitigen, Mietminderung
Andreas Vogt riecht es seit Wochen, jeden Abend, wenn er ins Schlafzimmer kommt: einen muffigen, leicht erdigen Geruch, der nach dem Lüften kurz verschwindet und dann zurückkommt. Sichtbar ist nichts. Keine Flecken an der Wand, keine dunklen Ecken, nichts hinter dem Schrank. Trotzdem wacht seine Frau morgens mit verstopfter Nase auf. Andreas will Gewissheit und fragt sich, wie man Schimmel eigentlich nachweist, wenn man ihn nicht sehen kann.
Diese Frage höre ich von Betroffenen immer wieder. Der Verdacht ist da, der Geruch ist da, manchmal auch die Symptome, aber die Quelle bleibt unsichtbar. Genau dann wird die Frage interessant, ob und wie man Schimmel in der Raumluft messen kann. Die gute Nachricht: Es gibt etablierte Verfahren. Die wichtigere Nachricht: Nicht jeder Fall braucht eine Messung, und der teuerste Test ist selten der beste.
Eine Messung lohnt sich nur in bestimmten Situationen
Bevor wir über Methoden reden, der entscheidende Punkt: Bei großflächig sichtbarem Schimmel brauchen Sie keine Raumluftmessung. Die Quelle ist bekannt, die Sanierung steht ohnehin an, und eine Messung verzögert sie nur und kostet Geld. Das Umweltbundesamt formuliert das in seinem Schimmelleitfaden eindeutig: Bei großen, sichtbaren Befallsflächen genügt eine fotografische Dokumentation plus eine Material- oder Oberflächenprobe, danach beginnt direkt die Sanierungsplanung.
Sinnvoll wird eine Messung in diesen Fällen:
- Verdeckter Befall: Muffiger Geruch ohne sichtbare Quelle, wie bei Andreas. Hinter Vorwänden, unter dem Estrich, in Hohlräumen kann Schimmel wachsen, ohne dass Sie ihn sehen.
- Gesundheitsbeschwerden: Wiederkehrende Atemwegsprobleme oder Allergien, deren Ursache Sie umwelthygienisch abklären lassen wollen.
- Streit mit dem Vermieter: Wenn die Ursache strittig ist, liefert eine fachgerechte Messung eine objektive Grundlage.
- Sanierungskontrolle: Nach einer Sanierung zeigt eine Freimessung, ob die Belastung tatsächlich beseitigt ist.
- Vor dem Immobilienkauf: Bei muffigem Geruch oder Verdacht auf frühere Feuchteschäden, bevor Sie unterschreiben.
Wenn Sie sichtbaren Befall haben und einfach wissen wollen, ob er gefährlich ist, hilft Ihnen mein Artikel zum Thema Schimmel erkennen und Gesundheit oft mehr als eine teure Messung.
Diese Methoden gibt es, und das taugen sie wirklich
Schimmel lässt sich in der Luft, auf Oberflächen und im Material nachweisen. Welches Verfahren passt, hängt von der Frage ab, die Sie beantworten wollen. Das Umweltbundesamt unterscheidet dabei klar zwischen anerkannten Verfahren und solchen, die ergänzend oder noch in Erprobung sind.
| Methode | Wofür geeignet | Aussagekraft | Kosten-Richtwert |
|---|---|---|---|
| Raumluftmessung (Luftkeim- oder Partikelsammlung) | Verdeckter Befall, Belastung der Raumluft, Sanierungskontrolle | Anerkannte Regel der Technik (DIN ISO 16000) | 150 bis 400 Euro pro Raum |
| Materialprobe | Befall in/unter Bauteilen, Schimmelart, aktiver oder alter Schaden | Anerkannte Regel der Technik (DIN ISO 16000-21) | 50 bis 150 Euro pro Probe |
| Oberflächenprobe (Folienkontakt, Abklatsch, Abstrich) | Befall an sichtbaren Stellen, Sekundärkontamination von Hausrat | Standard, teils nur semiquantitativ | 30 bis 100 Euro pro Probe |
| MVOC-Messung | Verdeckter Befall bei Geruch ohne sichtbare Quelle | Stand der Technik (VDI 4254), ergänzend | 250 bis 600 Euro |
| Schimmelspürhund | Lokalisierung verdeckter Quellen | Stand von Wissenschaft und Technik, ergänzend | 200 bis 500 Euro |
| DIY-Teststreifen / Sedimentationsschälchen | Orientierung im Selbstversuch | Vom UBA nicht empfohlen, keine belastbare Aussage | 10 bis 40 Euro |
Von der Raumluftprobe über Oberflächen- und Materialproben bis zur MVOC-Messung: Jede Methode beantwortet eine andere Frage.
Die Raumluftmessung: Sporen aus der Luft fischen
Bei der Raumluftmessung saugt eine Pumpe ein definiertes Luftvolumen an, im Normalfall 100 Liter. Bei der Luftkeimsammlung läuft diese Luft über Nährböden, die im Labor einige Tage bebrütet werden, bis sich Kolonien zeigen. Bei der heute meist verwendeten Partikelsammlung landen die Sporen auf einem beschichteten Objektträger, der direkt angefärbt und mikroskopiert wird. Die Partikelsammlung hat einen Vorteil: Sie erfasst auch schlecht anzüchtbare, wasserschadenstypische Schimmelpilze wie Stachybotrys, die bei der reinen Nährbodenmethode durchrutschen können.
Der entscheidende Trick liegt im Vergleich. Sporen sind in jeder Wohnung, das ist normal. Aussagekräftig wird das Ergebnis erst, wenn parallel die Außenluft beprobt wird. Liegt die Sporenkonzentration innen deutlich höher als außen oder dominiert ein anderes Artenspektrum, deutet das auf eine Quelle im Raum hin. Wichtig für die Vorbereitung: Türen und Fenster sollten acht bis zwölf Stunden vor der Messung geschlossen bleiben, und mögliche Störquellen wie Obstschalen, Mülleimer oder Haustiere gehören vorher aus dem Raum.
Materialproben und Oberflächenproben: direkt an der Quelle
Eine Materialprobe entnimmt der Gutachter dort, wo der Schaden vermutet wird, notfalls per Bohrkern unter dem Estrich. Im Labor zeigt sich dann, welche Schimmelart vorliegt und ob der Schaden aktiv ist oder ein eingetrockneter Altschaden. Oberflächenproben wie die Folienkontaktprobe oder der Abstrich mit dem Wattestäbchen sind schonender, sie greifen nicht in die Bausubstanz ein und eignen sich gut, um Verdachtsflächen oder die Kontamination von Möbeln und Kleidung zu prüfen.
MVOC und Spürhund: für das Unsichtbare
Bleibt die Quelle trotz Geruch unauffindbar, kommen die ergänzenden Verfahren ins Spiel. Eine MVOC-Messung weist die geruchsaktiven Stoffwechselprodukte nach, die wachsender Schimmel abgibt. Sie ist hilfreich bei verdecktem Befall, liefert aber kein abschließendes Urteil. Ein Schimmelspürhund kann verdeckte Quellen erstaunlich präzise anzeigen. Beide Verfahren ordnet das Umweltbundesamt als ergänzend ein, sie ersetzen keine fachgerechte Raumluft- oder Materialanalyse.
DIY-Tests aus dem Baumarkt versprechen mehr, als sie halten
Ich verstehe den Reflex: Ein Schälchen für 15 Euro aufstellen ist bequemer und billiger, als einen Gutachter zu bestellen. Das Problem ist die Aussagekraft. Ein Sedimentationsschälchen fängt einfach das ein, was zufällig herabfällt, ohne definiertes Luftvolumen, ohne Außenvergleich, ohne qualifizierte Laborauswertung. Es zeigt Ihnen, dass Sporen vorhanden sind, und das sind sie immer. Über eine echte Belastung oder die Quelle sagt es nichts.
Das Umweltbundesamt ist an diesem Punkt deutlich. Im Schimmelleitfaden listet es mehrere verbreitete Verfahren auf, von denen es ausdrücklich abrät:
Vom Einsatz folgender, noch immer verbreiteter Messmethoden wird von Seiten des Umweltbundesamtes abgeraten: Abdruckproben mit Nährböden (RODAC-Platten), Aufstellen von Sedimentationsnährböden, Messung von Schimmelpilzen im Hausstaub, Messung von Gesamtbakterien in Raumluft.
Genau diese abgeratenen Verfahren stecken oft in günstigen Heimtests. Als grobe Orientierung mögen sie taugen, mehr aber nicht. Sanierer berichten mir regelmäßig von Kunden, die nach einem positiven DIY-Test in Panik geraten sind, obwohl gar kein relevanter Befall vorlag, oder umgekehrt von Bewohnern, die ein negatives Schälchen beruhigt hat, während hinter der Trockenbauwand längst Schimmel wuchs. Für eine belastbare Entscheidung führt der Weg über eine fachgerechte Probenahme.
Andreas lässt messen, und das Ergebnis überrascht
Zurück zu Andreas Vogt. Weil er nichts sah, aber täglich roch, beauftragte er einen zertifizierten Schimmelgutachter. Der machte zuerst eine Begehung und eine Feuchtemessung an den Außenwänden. Auffällig: erhöhte Materialfeuchte unter dem Fenster im Schlafzimmer. Dann folgte eine Partikelsammlung im Schlafzimmer und parallel eine Außenluftprobe als Vergleich.
Das Laborergebnis zeigte im Schlafzimmer eine deutlich erhöhte Konzentration von Aspergillus- und Penicillium-Sporen gegenüber der Außenluft, ein klares Indiz für eine Innenraumquelle. Eine kleine Bauteilöffnung an der feuchten Stelle brachte die Ursache zutage: eine Wärmebrücke an der Fensterlaibung, hinter der Tapete hatte sich auf etwa einem halben Quadratmeter Schimmel gebildet, unsichtbar von außen. Gesamtkosten der Diagnostik: rund 480 Euro für Begehung, zwei Luftproben mit Außenvergleich und Bericht.
Mit diesem Bericht ging Andreas zur Sanierung über. Weil die Fläche an der Schwelle von 0,5 m² lag und es sich um einen baulichen Mangel handelte, beauftragte er eine Fachfirma. Wäre der Schimmel großflächig sichtbar gewesen, hätte er sich die Luftmessung sparen und direkt sanieren lassen können. So aber war die Messung der Schlüssel, um die unsichtbare Quelle überhaupt zu finden. Wie es bei verdecktem Befall hinter Möbeln und in Hohlräumen typischerweise aussieht, beschreibe ich auch im Artikel zu den Schimmelpilz-Arten und ihrer Erkennung.
Ein Messergebnis ist kein Gesundheitsurteil
Viele Betroffene hoffen, eine Messung sage ihnen, ob ihre Wohnung gesundheitsschädlich ist. So einfach ist es leider nicht. Für Schimmelpilze in der Innenraumluft existieren keine verbindlichen Grenzwerte wie bei Asbest oder chemischen Schadstoffen. Es gibt lediglich Orientierungswerte der Innenraumlufthygiene-Kommission, gemessen in koloniebildenden Einheiten pro Kubikmeter Luft (KBE/m³). Diese Werte schwanken stark und hängen von Jahreszeit und Witterung ab, weshalb der Innen-Außen-Vergleich so wichtig ist.
Laut Umweltbundesamt können bestimmte Schimmelpilze allergische Reaktionen und Atemwegsbeschwerden auslösen, weshalb ein Schimmelwachstum im Innenraum aus Vorsorgegründen vermieden werden sollte. Ein Messbefund ordnet die umwelthygienische Situation ein, er ist aber keine medizinische Diagnose. Wenn Sie konkrete Beschwerden haben, gehört deren Bewertung in ärztliche Hände, die medizinische Diagnostik regelt eine eigene Leitlinie. Die Messung sagt, ob und wo eine Quelle sitzt. Was das für Ihre Gesundheit bedeutet, klärt der Arzt.
Wann ein öffentlich bestellter Sachverständiger nötig wird
Für die meisten Fälle im Eigenheim genügt ein qualifizierter, zertifizierter Schimmelgutachter mit fundierter Ausbildung. Achten Sie darauf, dass er unabhängig arbeitet und nicht zugleich die Sanierung verkauft, sonst droht ein Interessenkonflikt. Ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger wird dann nötig, wenn die Dokumentation später vor Gericht standhalten muss oder ein Rechtsstreit absehbar ist.
Gerade im Mietverhältnis ist das relevant. Mieter müssen einen Mangel nach § 536c BGB unverzüglich beim Vermieter anzeigen, sonst riskieren sie ihre Minderungsrechte. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urteil vom 10.04.2019, Az. VIII ZR 67/18) muss zunächst der Vermieter darlegen, dass der Schimmel nicht aus seinem Verantwortungsbereich stammt. Eine fachgerechte, gerichtsfest dokumentierte Messung kann hier zur entscheidenden Grundlage werden. Wer wissen will, was eine solche Begutachtung im Detail kostet und leistet, findet die Zahlen in meinem Ratgeber zu den Schimmelgutachter-Kosten. Und wer den Schimmel infolge eines Wasserschadens hat, sollte den Artikel zum Thema Schimmel nach Wasserschaden verhindern kennen, denn dort entsteht das Problem oft durch Restfeuchte, die man früh messen kann.
Den richtigen Fachbetrieb für Messung und Sanierung finden
Eine Messung ist immer nur der erste Schritt. Steht die Quelle fest, muss die Ursache abgestellt und der Befall fachgerecht beseitigt werden, sonst kehrt der Schimmel zurück. Wichtig ist, dass die Sanierung von einem qualifizierten Betrieb mit Erfahrung in Schimmelschäden ausgeführt wird, idealerweise mit den Vorgaben des WTA-Merkblatts 4-12 für die Sanierungskontrolle im Hinterkopf.
Über Baulisten finden Sie kostenlos und unverbindlich einen geprüften Schimmelsanierer in Ihrer Region: Schimmel begutachten und beseitigen lassen. Sie schildern kurz Ihren Fall, wir vermitteln Sie an einen passenden Fachbetrieb vor Ort.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden durch Schimmel suchen Sie bitte einen Arzt auf. Alle Kostenangaben sind Richtwerte und können je nach Region, Labor und Anbieter abweichen.
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Externe Quellen
Die Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende Quellen:
- → Umweltbundesamt, Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen (Schimmelleitfaden 2017, aktualisiert 2024)
- → Umweltbundesamt, Schimmelpilz-Leitfaden (Volltext PDF)
- → Umweltbundesamt, Gesundheitliche Aspekte von Schimmelpilzbefall in Innenräumen
- → Robert Koch-Institut, Schimmelpilzbelastung in Innenräumen (Mitteilung der Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin)
- → ALLUM, Schimmelpilzbelastung in der Außenluft und im Innenraum, Orientierungswerte und KBE/m³
- → DIN ISO 16000-16 bis -21, Innenraumluftverunreinigungen, Probenahme und Analyse von Schimmelpilzen (Beuth Verlag)
- → VDI 4254 Blatt 1, Messen von Innenraumluftverunreinigungen, Bestimmung von MVOC (VDI)
- → AWMF S2k-Leitlinie, Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen (Registernr. 161-001, Update 2024)
- → Paragraph 536c BGB, Mängelanzeige durch den Mieter (gesetze-im-internet.de)
- → BGH, Urteil vom 10.04.2019, Az. VIII ZR 67/18, Wärmebrücken und Schimmel als Mietmangel (dejure.org)
- → WTA-Merkblatt 4-12, Ziele und Kontrolle von Schimmelpilzschadensanierungen in Innenräumen (WTA)
- → Verbraucherzentrale, Schimmel in der Wohnung, Messung und Bewertung
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