Roter Schimmel erkennen: Arten, Risiko und was zu tun ist
Roter Schimmel auf Brot, Tapete oder im Bad: welche Pilze und Bakterien dahinterstecken, wie gefährlich sie sind und ab wann ein Fachbetrieb ran muss.

Kurz & Knapp
Roter Schimmel ist ein Sammelbegriff für mehrere Pilze und Bakterien, die rötlich oder rosa wirken. Auf Brot und Getreide handelt es sich häufig um Neurospora oder Fusarium, im Bad oft um die Bakterienart Serratia marcescens. Fusarium auf Lebensmitteln kann Mykotoxine bilden und gehört entsorgt; bei rotem Schimmel auf Tapete oder Wand kann es sinnvoll sein, einen Fachbetrieb einzuschalten.
Stand: 14. September 2026 (erstveröffentlicht 1. Juni 2026)
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Schimmel: Erkennen, Beseitigen, Mietminderung
Es war ein Samstagmorgen, als Andrea Petersen ihre Vorratskammer öffnete und auf einer angebrochenen Toastscheibe einen rötlichen, fast pfirsichfarbenen Flaum entdeckte. Roter Schimmel war das Letzte, womit sie gerechnet hatte; Schimmel ist doch grün oder schwarz. Sie zögerte, ob sie das Brot einfach abschneiden sollte. Eine Woche später bemerkte ihre Tochter dieselbe rosa Verfärbung an der Silikonfuge in der Dusche. Plötzlich fragte sich die ganze Familie, ob das gefährlich sein könnte.
Roter Schimmel ist eine Wahrnehmungslücke. Die meisten Menschen verbinden Schimmel mit Schwarz, Grün oder Grau. Wenn sich plötzlich ein rötlicher Belag zeigt, wirkt das fremd, manchmal sogar dekorativ. Genau darin liegt das Risiko. Wer Rot nicht als Warnzeichen erkennt, lässt einen Befall länger laufen, als er sollte.
Diese Übersicht ordnet ein, was tatsächlich hinter der Farbe steckt. Sie benennt, wo die Forschungslage dünn ist, und sie zeigt, in welchen Fällen Sie selbst handeln können und wann eine Fachfirma der bessere Weg ist.
Roter Schimmel bündelt vier verschiedene Organismen
Roter Schimmel ist ein Sammelbegriff für mehrere Organismen. Mehrere Schimmelpilzarten und ein Bakterium können rötlich, rosa, lachsfarben oder pfirsichfarben wirken. Die Farbe entsteht durch Pigmente, die der Organismus in seinen Zellen oder Sporen einlagert. Welche Art im Einzelfall vorliegt, lässt sich mit bloßem Auge nicht sicher sagen. Sichere Bestimmung gelingt nur durch eine mikrobiologische Probe im Labor.
Aus Erfahrung mit Anfragen von Geschädigten weiß ich, dass die meisten Menschen erst über Google nach rotem Schimmel suchen, wenn das Problem bereits da ist. Die Suchergebnisse sind oft widersprüchlich, manche Seiten verharmlosen, andere überzeichnen die Gefahr. Tatsächlich liegt die Wahrheit zwischen beiden Extremen. Und sie hängt stark davon ab, wo der rote Belag auftritt.
Eine wichtige Einordnung gleich vorweg: Roter Schimmel ist weit weniger erforscht als schwarzer. Während Stachybotrys chartarum und Aspergillus seit Jahrzehnten im Fokus stehen, sind Studien zu Neurospora-Arten in Wohnräumen rar. Die schwächere Datenlage ist kein Beleg für Harmlosigkeit; deshalb sollte das Vorsorgeprinzip gelten.
Die häufigsten Verursacher der roten Farbe
Vier Organismen kommen am häufigsten infrage, wenn Sie rötliche Flecken sehen. Drei davon sind Pilze, einer ist ein Bakterium. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Bekämpfung unterscheidet.
Neurospora sitophila und Neurospora crassa: der klassische rote Bäckerschimmel
Dies ist die Art, die in deutschsprachigen Beiträgen meist gemeint ist, wenn von rotem Schimmel die Rede ist. Beide Arten gehören zur Gattung Neurospora und sind nahe verwandt. Neurospora crassa ist Biologen vor allem als Modellorganismus bekannt, an dem Genetik und Vererbung erforscht werden. In der Wohnung tritt sie aber als rötlich-oranger Belag in Erscheinung.
Bevorzugter Nährboden sind kohlenhydrat- und zuckerhaltige Substrate: Brot, Brötchen, Kuchen, Mais, Weizen. Daher die deutschen Bezeichnungen roter Brotschimmel und roter Bäckerschimmel. In Wohnungen findet man die Pilze auf zuckerhaltigem Tapetenkleister, auf feuchten Backwaren in der Vorratskammer und gelegentlich auf Holz mit organischen Resten. Die Sporen färben das Substrat lachsfarben bis ziegelrot.
Fusarium: der gefährlichste der roten Pilze
Fusarium ist eine Gattung von Schlauchpilzen, die in der Landwirtschaft als Erreger der Ährenfusariose bei Getreide gefürchtet ist. Fusarium graminearum, Fusarium culmorum und verwandte Arten befallen vor allem Weizen, Hafer, Gerste, Mais, Hirse und Reis bereits auf dem Feld. Sichtbar werden sie als rosafarbene bis rötliche Verfärbung auf Körnern, Halmen und Kolben.
Was Fusarium besonders kritisch macht: Die Pilze bilden Mykotoxine. Die wichtigsten sind die Trichothecene, vor allem Deoxynivalenol (DON), sowie Zearalenon und Fumonisine. Galab Laboratories, ein deutsches Speziallabor, ordnet diese drei Gruppen als die häufigsten Fusarium-Gifte ein. DON gilt nach Einschätzung der Branche als der wichtigste Kontaminant in Weizen weltweit.
Die DLG fasst die Bedeutung in ihrem Expertenwissen so zusammen:
Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) sind sowohl bei Lebens- als auch bei Futtermitteln ein bedeutendes hygienisches Problem, und das weltweit.
Für Verbraucher heißt das praktisch: Wenn Sie an Mehl, Getreideflocken oder Brot eine rötliche Verfärbung bemerken, gehört das Lebensmittel sofort entsorgt. Toasten oder Backen reicht nicht. Mykotoxine sind hitzestabil und überleben Backofen-Temperaturen.
In Wohnräumen tritt Fusarium selten auf, weil die Pilze hohe Feuchtigkeit und meist Pflanzenreste als Nährboden brauchen. Wenn doch, dann am ehesten in feuchten Vorratskammern, Kellern mit Holzbeständen oder nach Wasserschäden in Wänden mit Zellulosedämmung.
Aureobasidium pullulans: eigentlich schwarz, manchmal rosa
Hier wird es kompliziert. Aureobasidium pullulans wird in vielen deutschsprachigen Schimmel-Lexika als rosa oder roter Schimmel beschrieben. Mikrobiologisch betrachtet ist das nur halb richtig. Die englischsprachige Wikipedia und die mikrobiologische Literatur ordnen den Organismus als black yeast ein, also als schwarzen Hefe-ähnlichen Pilz. In ausgereiften Kolonien überwiegen schwarze Sporen, die der Spezies ihre dunkle Farbe geben.
Trotzdem berichten Anwender, dass Aureobasidium in frühen Wachstumsstadien oder unter bestimmten Bedingungen rosa, bräunlich-rot oder lachsfarben wirken kann. Häufig taucht der Name in Verbindung mit dem Bakterium Serratia marcescens auf, etwa bei rosafarbenen Belägen in Badewannen. Eine sichere Trennung gelingt nur unter dem Mikroskop.
Für die Praxis bedeutet das: Wenn der rosa Belag bei Ihnen mit der Zeit dunkler wird und sich schwärzlich verfärbt, war wahrscheinlich Aureobasidium beteiligt. Der Pilz gilt für gesunde Erwachsene als wenig riskant. Bei immungeschwächten Personen wurden in seltenen Fällen Haut-, Weichteil- und Bauchfellentzündungen beschrieben (Quelle: NIH, Fungemia due to Aureobasidium pullulans).
Serratia marcescens: gar kein Pilz
Der häufigste Verursacher rosafarbener Beläge in Duschen, an Silikonfugen, in Spülbecken und auf Toilettendeckeln ist gar kein Schimmel. Es ist Serratia marcescens, ein Bakterium aus der Familie der Enterobakterien. Es bildet einen roten Farbstoff namens Prodigiosin, der ihm seinen typischen lachsrosa Ton verleiht.
Serratia siedelt sich überall an, wo Wasser, Wärme und organische Reste zusammenkommen: Seifenrückstände, Haare, Hautschuppen, Zahnpasta. Der Belag ist meist schmierig und lässt sich anders als Schimmel relativ leicht abwischen. Für gesunde Erwachsene gilt das Bakterium als wenig riskant. Für Säuglinge, ältere Menschen, Immungeschwächte und Krankenhauspatienten kann es Harnwegsinfekte, Lungenentzündungen und in seltenen Fällen Blutvergiftungen auslösen.
Reinigung mit Essigreiniger, verdünnter Zitronensäure oder Wasserstoffperoxid hilft. Bei wiederkehrendem Befall an Silikonfugen ist Erneuerung des Silikons der bessere Weg, weil sich Serratia in mikroskopischen Rissen verkriecht.

Fundort und Untergrund entscheiden über das Vorgehen
In der Küche und im Bad sitzt der rote Belag meist auf glatten, nicht saugenden Flächen. An Wand und Tapete ist die Lage eine andere. Tapetenkleister besteht aus Stärke, Raufaser aus Zellulose, Gipskarton aus Karton und Gips. Alle drei sind organisches Material und damit Nährboden. Neurospora sitophila wächst dort besonders gern, weil sie zuckerhaltige Substrate bevorzugt. Sichtbar wird ein lachsfarbener bis ziegelroter Flaum, der sich innerhalb von Tagen ausbreiten kann.
Typische Fundorte an der Wand sind die Fensterlaibung, die Außenecke hinter einem Möbelstück, der Sockelbereich in Erdgeschosswohnungen und Flächen, unter denen ein alter Wasserschaden nie vollständig getrocknet wurde. Das Muster gleicht dem anderer Schimmelfarben, weshalb Sie den Befall nach denselben Regeln bewerten wie bei Schimmel an der Wand allgemein.
Beim Vorgehen gilt ein Unterschied zum Bad: Auf porösem Wandmaterial reicht Abwischen nicht. Das Myzel sitzt im Putz oder in der Tapete, während oben nur der farbige Sporenrasen zu sehen ist. Wer darüberstreicht, verdeckt den Befall für wenige Wochen. Die befallene Tapetenbahn muss ab, der Putz wird geprüft und bei Durchsetzung abgetragen. Auf Silikonfugen im Bad gilt umgekehrt: Dort hilft dauerhaft nur der Austausch der Fuge, weil sich Organismen in mikroskopischen Rissen halten.
Die Farbe hilft bei der Einordnung nur begrenzt weiter, weil viele Arten ihren Ton im Laufe des Wachstums wechseln. Vergleichen Sie den Befund deshalb auch mit den Beschreibungen zu gelbem Schimmel, schwarzem Schimmel, grünem Schimmel und weißem Schimmel, bevor Sie sich auf eine Art festlegen.
Verwechslungsgefahr zwischen Lebensmittel-Verderb und Schimmel
Eine häufige Frage: Ist die rosa Verfärbung auf meinem Brot wirklich Schimmel oder normaler Verderb? Die Antwort ist klar. Sobald sich erkennbar gefärbte Flecken zeigen, ist es Schimmel. Die Pilzfäden haben sich da bereits ausgebreitet, oft weiter als der sichtbare Fleck vermuten lässt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, das gesamte Brot zu entsorgen, sobald Schimmel sichtbar wird. Das Wegschneiden des befallenen Bereichs reicht nicht, weil das unsichtbare Myzel viel weiter reicht. Bei größeren, festen Lebensmitteln wie Hartkäse oder Rohwürsten kann großzügiges Wegschneiden (mindestens zwei Zentimeter rund um den Fleck) in Ausnahmefällen vertretbar sein, bei Brot und feuchten Lebensmitteln nicht.
Besonders kritisch sind Lebensmittel mit hohem Stärke- oder Zuckergehalt. Bei Getreideprodukten kommt hinzu: Fusarium-Befall ist auf dem Feld oft unsichtbar, das Korn wird trotzdem mit Mykotoxinen kontaminiert. Verbraucherschutz erfolgt hier durch gesetzliche Höchstwerte für DON, Zearalenon und andere Toxine in Mehl und Getreideflocken. Wenn aber gelagerte Lebensmittel zu Hause schimmeln, ist die Belastung in der Regel deutlich höher und Wegwerfen die einzig sichere Option.
Roter Schimmel lässt sich an drei Merkmalen einordnen
Drei Hinweise helfen bei der Einordnung:
Farbverlauf und Struktur. Frischer roter Schimmel ist meist lachsfarben bis rötlich-orange, flauschig oder pelzig. Mit der Zeit wird er bei manchen Arten dunkler, fast bordeauxrot, und kann sich später schwärzlich verfärben (typisch für Aureobasidium). Serratia hingegen bleibt bei der rosa Farbe und wirkt eher schmierig-feucht als pelzig.
Untergrund. Auf Brot, Backwaren und Tapeten ist meist Neurospora am Werk. Auf Getreide, Mais oder rohem Mehl deutet Rot stark auf Fusarium hin. In Duschen und an Silikonfugen ist es fast immer Serratia.
Wischtest. Wischen Sie mit einem feuchten Tuch über den Fleck. Der Wischtest allein erlaubt keine sichere Bestimmung. Serratia lässt sich meist relativ leicht abnehmen, kehrt aber zurück, wenn die Feuchte bleibt. Schmutz löst sich vollständig ab.
Für eine sichere Bestimmung führt kein Weg an einer mikrobiologischen Probe vorbei. Ein Schimmelgutachter nimmt ein Klebepräparat oder einen Tupfer, der im Labor unter dem Mikroskop analysiert wird. Die Kosten dafür liegen je nach Aufwand zwischen 100 und 300 Euro pro Probe, eine Bewertung der gesamten Wohnung mit Ursachenanalyse kostet 350 bis 900 Euro. Einzelheiten dazu finden Sie in unserem Artikel zu Schimmelgutachter-Kosten und Ablauf.
Gesundheitsrisiko, Ursachen und Sanierungsweg gehören zusammen
Die Datenlage zu rotem Schimmel in Wohnräumen ist dünner als zu schwarzem. Das Umweltbundesamt beschreibt die allgemeine Gesundheitsgefahr durch Schimmel im Innenraum so:
Von Schimmelpilzen kann eine Gesundheitsgefahr ausgehen, wenn die Sporen in großer Zahl eingeatmet werden. Grundsätzlich sind alle Schimmelpilze in der Lage, allergische Reaktionen wie beim Heuschnupfen (laufende Nase, Augenreizungen, Niesen) auszulösen.
Diese Einschätzung gilt für rote, schwarze und grüne Schimmelpilze gleichermaßen. Sporen sind Sporen. Wer in einer schimmelbelasteten Wohnung lebt, hat laut UBA ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen, Atemwegsinfektionen und eine Verstärkung bestehender Asthmaerkrankungen.
Bei Fusarium kommt ein zweiter Risikofaktor hinzu: die Mykotoxine. Während Fusarium in Innenräumen selten auftritt, sind Mykotoxine über belastete Lebensmittel der häufigere Aufnahmeweg. Akute hohe Dosen können Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen auslösen. Chronische Aufnahme kleinerer Mengen wird mit Lebertoxizität, Immunsuppression und in Tierversuchen mit reproduktiven Schäden in Verbindung gebracht (Quelle: Kantlab Thurgau, Mykotoxine in Lebensmitteln 2019).
Für Neurospora-Arten sind Mykotoxine bislang nicht beschrieben. Die Pilze gelten als wenig humanpathogen. Allergische Reaktionen durch Sporenkontakt sind aber wie bei allen Schimmelpilzen möglich.
Besonders schutzbedürftig sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere, Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma, Allergiker und Immungeschwächte (zum Beispiel nach Chemotherapie oder Organtransplantation). Für diese Gruppen sollte selbst kleinflächiger Befall ernst genommen und durch Fachpersonal saniert werden. Tiefer einsteigen können Sie in unserem Beitrag zu Schimmel im Schlafzimmer und Gesundheitsfolgen.
Häufige Ursachen: Feuchtigkeit plus organisches Material
Rote Pilze und Bakterien folgen denselben Grundregeln wie alle anderen Schimmelpilze. Sie brauchen Feuchtigkeit, Wärme zwischen etwa 15 und 35 Grad Celsius, Sauerstoff und einen organischen Nährboden. Wenn alle vier Faktoren zusammenkommen, beginnt das Wachstum.
Häufige Ursachenkombinationen:
- Hohe Raumluftfeuchte über 60 Prozent durch zu wenig Lüften, Wäschetrocknen im Wohnraum oder viele Pflanzen
- Kondenswasser an kalten Außenwänden durch Wärmebrücken, ungenügende Dämmung oder unbeheizte Räume
- Versteckte Feuchtigkeit nach einem Wasserschaden, der nicht vollständig getrocknet wurde
- Aufsteigende Feuchte in Erdgeschoss- und Kellerwänden, oft kombiniert mit organischen Belägen
- Lebensmittelreste, Tapetenkleister, Holzteile mit Stärke oder Zucker als Nährboden
In Duschen und Bädern kommen Wassernebel, Wärme, Seifenrückstände und Hautschuppen zusammen. Das ist der ideale Lebensraum für Serratia marcescens und Aureobasidium pullulans. In Küchen und Vorratskammern reichen schon Mehlstaub, Brotkrumen und gelegentliche Feuchte für Neurospora und Fusarium.
Wer Schimmel langfristig verhindern will, muss an die Ursache. Allein die Symptome wegzuwischen hilft nicht. Detaillierte Hinweise dazu finden Sie in unserer Übersicht der häufigsten Schimmelpilz-Arten und ihrer typischen Ursachen.
Selbst entfernen oder Fachfirma beauftragen
Ob Sie selbst reinigen können, hängt vom Umfang des Befalls, vom Untergrund und von den Personen im Haushalt ab.
Beurteilen Sie roten Schimmel mit derselben Vorsicht wie schwarzen.
Wann Sie selbst handeln können
- Kleine, oberflächliche Flecken
- Glatter Untergrund (Fliesen, Glas, lackiertes Metall)
- Sichtbar, gut zugänglich, kein Verdacht auf Befall im Material
- Keine sensiblen Personen im Haushalt (Säuglinge, Schwangere, Asthmatiker, Immungeschwächte)
Verwenden Sie 70 bis 80 prozentigen Ethanol oder Isopropanol. Bleichmittel wie Wasserstoffperoxid (5 bis 10 Prozent) tötet ebenfalls, sollte aber sparsam dosiert werden. Tragen Sie FFP2-Maske, Schutzhandschuhe und falls möglich eine Schutzbrille. Lüften Sie während und nach der Reinigung intensiv. Lappen und Schwämme nach Gebrauch in einem verschlossenen Müllbeutel entsorgen.
Wann Sie eine Fachfirma rufen sollten
- Größere Fläche oder mehrere kleinere Stellen, die sich addieren
- Befall auf porösen Materialien (Tapete, Putz, Holz, Gipskarton, Dämmwolle)
- Verdacht auf versteckten Befall hinter Möbeln, in Wandhohlräumen oder unter Bodenbelägen
- Sensible Personen im Haushalt
- Wiederkehrender Befall trotz Reinigung
- Ursache unbekannt
- Lebensmittel-Befall in größerem Umfang (etwa in Vorratskammern)
Bei diesen Fällen ist die fachgerechte Sanierung der einzig sichere Weg. Eine Fachfirma für Schimmelsanierung arbeitet mit Schutzfolien, Unterdruckhaltung und Luftreinigern, damit beim Entfernen nicht das ganze Haus mit Sporen kontaminiert wird.
Vorbeugen mit drei wirksamen Hebeln
Roter Schimmel braucht dieselben Bedingungen wie alle anderen Schimmelpilze. Wer die Bedingungen entzieht, verhindert das Wachstum.
Luftfeuchtigkeit unter 60 Prozent halten. Ein Hygrometer für 10 bis 20 Euro misst zuverlässig. Drei- bis viermal täglich für fünf bis zehn Minuten querlüften. Im Winter besonders auf das Stoßlüften nach dem Duschen, Kochen und Wäschetrocknen achten. Hintergrund und Praxistipps finden Sie in unserem Beitrag zu Schimmel am Fenster und Kondenswasser.
Organische Nährböden begrenzen. Lebensmittel verschlossen lagern, abgelaufenes Brot und Mehl entsorgen. Im Bad regelmäßig Seifenrückstände, Haare und Hautfett entfernen, weil Serratia und Aureobasidium genau davon leben. Tapeten in feuchten Räumen vermeiden oder spezielle, schimmelresistente Tapeten verwenden.
Bauliche Ursachen erkennen. Wärmebrücken (typischerweise an Außenecken und Fensterlaibungen), undichte Fenster, defekte Abdichtungen, aufsteigende Feuchte. Diese müssen bautechnisch behoben werden, weil sonst auch das beste Lüften nicht ausreicht. In Altbauten gelten Besonderheiten, die Sie kennen sollten.
Rechte, Pflichten und konkrete nächste Schritte
Wenn Sie zur Miete wohnen, ist nach § 535 BGB Ihr Vermieter verpflichtet, die Wohnung in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu erhalten. Eine Mietminderung nach § 536 BGB kommt in Betracht, wenn der Befall die Tauglichkeit der Wohnung zum vertragsgemäßen Gebrauch mehr als unerheblich mindert.
Wichtig: Mängel müssen Sie unverzüglich anzeigen (§ 536c BGB). Soweit der Vermieter infolge einer unterlassenen Anzeige keine Abhilfe schaffen konnte, können Sie das Minderungsrecht nicht geltend machen. Dokumentieren Sie den Befall mit Fotos, Datum und einer Skizze, die Größe und Position zeigt. Auch bei rotem Schimmel gilt das. Bei Streit über die Ursache sollten Sie den Befund dokumentieren und rechtlichen Rat einholen.
Für Eigentümer ist Schimmel oft eine Frage der Versicherung. Schimmel als isoliertes Problem ist meist ausgeschlossen, als Folge eines Wasserschadens oft gedeckt. Daher Wasserschäden immer sofort der Versicherung melden, auch wenn der Schimmel erst Wochen später auftritt.
Was Sie jetzt konkret tun können
Wenn Sie gerade einen roten oder rosa Belag entdeckt haben, arbeiten Sie diese fünf Schritte der Reihe nach ab.
- Ort bestimmen. Lebensmittel gehören sofort in den verschlossenen Müllbeutel, mitsamt der Nachbarware im selben Fach. Ein Belag an Wand, Tapete oder Fuge bleibt vorerst unberührt.
- Fläche messen und fotografieren. Zollstock daneben legen, Übersicht und Detail aufnehmen, Datum notieren. Diese Bilder brauchen Sie für Vermieter, Versicherung oder Gutachter.
- Wischtest machen. Ein feuchtes Tuch über eine Randstelle ziehen. Löst sich der Belag glatt ab und ist er schmierig, spricht viel für Serratia marcescens im Bad. Eine sichere Einordnung ist mit dem Wischtest allein nicht möglich.
- Raumluftfeuchte messen. Ein Hygrometer für unter 20 Euro reicht. Liegt die relative Feuchte über mehrere Tage über 60 Prozent, haben Sie eine Feuchtequelle oder ein Lüftungsproblem.
- Entscheidung treffen. Kleine, oberflächliche Flecken auf glattem Untergrund können Sie selbst mit 70 bis 80 Prozent Ethanol, FFP2-Maske und Handschuhen reinigen. Bei größerem Befall oder auf porösem Material beauftragen Sie einen Fachbetrieb für Schimmelsanierung.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden durch Schimmel suchen Sie bitte einen Arzt auf. Bei rechtlichen Fragen wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Mietrecht oder Ihren örtlichen Mieterverein. Die genannten Empfehlungen orientieren sich am Schimmelleitfaden 2017 des Umweltbundesamtes und können je nach Einzelfall abweichen.
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Externe Quellen
Die Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende Quellen:
- →Umweltbundesamt, Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2017, Schimmelleitfaden)
- →Umweltbundesamt, Gesundheitliche Aspekte von Schimmelpilzbefall in Innenräumen
- →Bundesinstitut für Risikobewertung, FAQ Schimmelpilze in Lebensmitteln, Gesundheitliche Risiken und wie sie sich vermeiden lassen
- →Robert Koch-Institut, Schimmelpilzbelastung in Innenräumen, Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen
- →Wikipedia, Neurospora crassa (roter Schimmelpilz aus der Abteilung der Schlauchpilze)
- →Wikipedia, Aureobasidium pullulans (schwarzer Hefe-ähnlicher Pilz)
- →DLG Expertenwissen 02/2016, Mykotoxine im Fokus (Fusarium-Gifte in Lebens- und Futtermitteln)
- →Galab Laboratories, Fusarium Toxins (Trichothecene, Fumonisine, Zearalenon)
- →Paragraph 535 BGB, Inhalt und Hauptpflichten des Mietvertrags (gesetze-im-internet.de)
- →Paragraph 536 BGB, Mietminderung bei Sach- und Rechtsmangel (gesetze-im-internet.de)
- →BGH, Urteil vom 05.12.2018, Az. VIII ZR 271/17, Beweislast bei Schimmel und baulichen Mängeln
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